Das Jugendwort verfehlt sein Ziel.

Denk doch einer an die Jugend

von

I bims, das Jugendwort 2017. Langenscheidt wählte zum zehnten Mal das Jugendwort des Jahres. Die Wahl erfolgt durch eine Jury, welche den Gewinner aus den „Top 10″ auswählt. Die Begriffe wurden vorher durch ein Online-Voting ausgewählt. Darunter: „Teilzeittarzan“, „napflixen“, „tinderjährig“- und natürlich „I bims“.

Screenshot, Twitter, Jugendwort
„I bims“ als Jugendwort 2017 (Foto: ©Langenscheidt via Twitter)

Die Wörter sagen Ihnen gar nichts? Keine Sorge, den meisten Jugendlichen auch nicht, geschweige denn werden sie wirklich gebraucht. Zudem verwechseln die Juroren Jugendsprache mit Internetsprache. Während beide sich zwar überschneiden, zählt das „Wort“ „I bims“ eindeutig zur Internetsprache.
Verfehlt der Wettbewerb damit nicht sein Ziel, ein kreatives Jugendwort, das auch in Gebrauch ist, zu finden? Ja, denn auch in den letzten Jahren war nichts dabei, was die Jugend tatsächlich verwendete. „Smombie“ und „fly sein“ ? Da muss man selbst als Jugendlicher schmunzeln. Nach der Wahl zum Jugendwort des Jahres wurden sie in unseren Kreisen zum Running-Gag. In der Freizeit, aber auch in der Schule, benutzten wir sie dann auf ironische Art und Weise.

An Zielgruppe vorbei

„Smombie“ setzt sich aus den Wörtern Smartphone und Zombie zusammen und meint damit Menschen, die ständig auf ihr Handy schauen, ohne dabei auf ihre Umgebung zu achten. Pressevertreter gehen sogar davon aus, dass die Wortkonstellation nur für die Aktion erfunden wurde. Geht das nicht zu weit? Von dem Marketingstunt profitiert der Langenscheidt-Verlag, der sich durch den Wettbewerb Medienaufmerksamkeit verschafft und gleichzeitig noch Werbung für sein Lexikon über Jugendsprache macht. Über die eigentlich angestrebte Zielgruppe wird sich somit schon quasi lustig gemacht. Wenn ich so empfindlich sein darf: als Jugendlicher möchte man sich fast benutzt fühlen.

Welche komischen Wörter verwendet die Jugend jetzt schon wieder?

I bims

Doch für was steht „I bims“ eigentlich? Es bedeutet so viel wie „Ich bin es“. Jetzt mal abgesehen davon, dass das Wort im Alltag kaum verwendet wird. Was ist das für ein Wort? Eine tatsächliche Aussage hat es ja nicht wirklich.

Kriterien bei der Jugendwort-Auswahl

Nachvollziehen warum „I bims“ zum Jugendwort des Jahres gewählt wurde, kann man anhand den Kriterien der Jury. Die Originalität ist defintiv vorhanden, es ist selbstverständlich ein gesellschaftlich und kulturelles Ereignis verarbeitet, es ist sprachliche Kreativität vorhanden und natürlich der enorme Verbreitungsgrad des Wortes. Alle Faktoren sind dabei bestens erfüllt und es ist somit ein – ihrer Definition nach – ehrwürdiges Jugendwort 2017.

Freuen wir uns auf das Wort im nächsten Jahr, was hoffentlich passender wird.

Julian Heiß betrachtete ebenfalls das neue iPhone: Ein Auslaufmodell?
Das Hamburger Abendblatt stützt unsere These, dass Langenscheidt in erster Linie Publicity erlangen will, ebenfalls.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*