Und jetzt?

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Angst: In Europa steigt die Anzahl der Terroranschläge, man denkt: Gewalt ist auf dem Vormarsch. Weltweit zerstört der Klimawandel den Planeten, rechte (anti-Klima) Parteien werden von der älteren Demographie in die Parlamente gewählt. Wirtschaftsprofessoren sprechen von einer großen Geldblase, die in naher Zukunft platzen könnte.

Was heißt das für meine Generation?

In einem Video zum Jahr 2016, produziert für die Sendung des Komikers John Oliver, lamentiert ein amerikanischer Passant mit dem treffenden Satz „the world feels a little bit colder“ (die Welt fühlt sich [nach diesem Jahr] ein wenig kälter an) die Geschehnisse des vorangegangenen Jahres. Nach all dem, was uns in den Nachrichten erreicht, möchte man ihm gleich zustimmen. Wir haben mehr Angst auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, die Fußgängerzone zu betreten und über Politik zu sprechen. Einer Umfrage zufolge nehmen 71 Prozent von 2400 Befragten Deutschen Terrorismus als Gefahr für sich selbst wahr (R+V Versicherung 2017). Wenn es unsere Region betrifft fühlt es sich immer so an, als ginge es gegen uns persönlich. Paris war noch weit entfernt, der Breitscheidplatz in Berlin dann schon nicht mehr.

Battle war attacks

Geschätzte Anzahl aller Toten in Kriegen von 1946 bis 2007

Den meisten Jugendlichen geht es so wie mir: wir fragen uns, was unser Platz in all dem ist? Sollen wir in Zukunft mit so etwas leben müssen? Was passiert gerade? Ist das überhaupt so schlimm, wie alle sagen und was kann man machen?

”Was passiert überhaupt?“

Grundsätzlich muss man zunächst das große Ganze betrachten. Es stimmt zwar, dass Terrorismus weltweit zugenommen hat. Dies liegt größtenteils am territorialen Untergang des „IS“ und seinen damit verbundenen Aufrufen zu jeglicher Gewalt gegen die westliche Welt. Nur wird oftmals nicht bedacht, dass Terror nicht alles ist. Sicherlich — es ist größer und angsteinflößender, als eine Prügelei mit fatalem Ausgang am nächsten Bahnhof, aber seltener. Wesentlich mehr Menschen sterben in Deutschland in Autounfällen, als durch Terroranschläge. Wir haben uns als Gesellschaft nur entschieden, dass das zum Risiko dazu gehört. Ich will auf keinen Fall sagen, dass Terrorismus und seine Folgen normalisiert werden sollten: ich will jediglich unser Level von Angst mit dem Risiko, dem wir ausgesetzt sind, gleichsetzen.

Angst durch Terrorismus?

Tote bei Terrorattacken in Westeuropa von 1970 bis 2015

 

Tödliche Gewalt

Tödliche Gewalt aller Art in Deutschland

Das Statistische Bundesamt belegt: Gewalttaten werden seltener, es sterben weniger Menschen durch Kriege, als zu jedem Zeitpunkt im 20. Jahrhundert. Die soziale bzw. freie Marktwirtschaft hat die Welt international stabiler und sicherer gemacht. Heutzutage ist es weniger rentabel ein Land einzunehmen, anstatt Handel mit ihm zu betreiben und so auf ähnliche Weise die Rohstoffe zu nutzen. Zudem wurde durch die Vereinten Nationen ein Sicherheitsnetz aus Sanktionspartnern aufgebaut, das ein Weltkrieg unwahrscheinlich macht — falls es nicht durch einen gewissen amerikanischen Präsidenten destabilisiert wird.

Was macht uns dann Angst?

Einen großen Teil spielen ohne Zweifel die Massenmedien, die durch ihre Funktion und unsere kurze Aufmerksamkeitsspanne dazu gezwungen sind, alles möglichst krass, spektakulär und geil dazustellen. Kürze vor Genauigkeit ist das Motto. Glücklicherweise gibt es dazu bereits Gegenbewegungen — die Rentabilität muss sich allerdings noch zeigen. Ein weiterer Teil ist sicherlich die Angstmanipulation populistischer Parteien.


Coverage versucht stets neutral zu bleiben, weshalb wir uns von „Name-Dropping“ fern halten.


Besonders die Wahlkämpfe des Jahres 2017 haben dabei die Ängste der Bürger geschürt, wie selten zuvor. Diese, vor allem rechten, Parteien sprechen dabei die älteren Menschen an: „Dein einstig schönes Land geht zu Grunde“, ist wohl dabei die suggestive Nachricht. Viele springen darauf an, eigentlich nur in gutem Gewissen: zum Wohle der Söhne, Töchter und Enkelkinder! Gesamtgesellschaftlich verändert uns dieser Fokus auf bestimmte, möglicherweise sogar unwichtige, Themenbereiche in eine ängstliche Population, die am liebsten alles und jeden aussperren würde.

Was jetzt?

Alle diese Themen stehen im Konflikt zur Meinung, die ein Großteil der Jugendlichen bewiesenermaßen vertreten. Einerseits herrscht ein breiter Konsens gegen rechte Parteien, unter anderem da die meisten mit der Klimaschutzbotschaft aufgewachsen sind und diese kennen, respektieren und leben wollen. Weniges macht und mehr Angst und bedroht in unseren Gedanken unsere Lebensweise, wie Terrorismus. Bedenken Sie: Wir sind in den sicheren deutschen 2000ern aufgewachsen. Wir haben keine RAF, Nachkriegszeit oder Krisen bewusst erlebt.

Wichtig ist demnach, dass uns gesagt wird, warum das alles passiert. Was sind die Hintergründe? Wer hat das verursacht? Andernfalls laufen wir Gefahr eine Generation von Angstwählern aufzuziehen, die ihre Entscheidungen auf Zurufe und Parolen, anstatt Fakten zu basieren. — Aber haben wir das nicht jetzt schon? 😉

MovieJam Studios und der Regisseur Luca Zug gewann 2014 mit ihrem Film „Olympia ’72“ über den Terror gegen israelische Athleten bei den Olympischen Spielen 1972 eine Anerkennung beim FlimmernundRauschen Filmfest in München. Über Jugendliche Fragen schreibt er auch hier: Geändert hat sich nichts.

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